BARF für Katzen – nach dem Beutetierprinzip

Titel: BARF für Katzen – nach dem Beutetierprinzip
Autorin: Franzisca Flattenhutter
Erscheinungsdatum: 22.09.2022
Seitenzahl: 121 Seiten
Preis: 14,95 €
Verlag: Oertel+Spörer

„Ein praktischer und kompetenter Ratgeber für alle Katzenfreunde!“
Damit wirbt das Buch auf der Rückseite. Ob es dem gerecht wird, werde ich im Verlauf der Rezension aufzeigen und begründen.

Aufbau und Stil

Das Buch wartet im typischen Design des Verlags auf. Das bedeutet, dass ganz oben auffällig mit „Expertenwissen Katzenernährung“ geworben wird, und ebenfalls, dass sich „BARFen“ als Standardschreibweise durch das gesamte Buch zieht. Dies ist eine völlig unnötige Variante, das Wort zu schreiben, das sich längst als Verb unter denjenigen, die ihre Katzen mit Rohfutter ernähren, etabliert hat. Der Fokus auf die Großbuchstaben reißt immer wieder aus dem Lesefluss. Zumal die Bedeutung gerade heutzutage – zumindest bei mir – ein recht unangenehmes Gefühl hervorruft, da Großbuchstaben in der Online-Kommunikation bedeuten, dass geschrien wird.


Ansonsten ist das Buch übersichtlich gegliedert, beginnend mit dem Verdauungstrakt der Katze, einer Auflistung der notwendigen Nährstoffe, ein paar Erklärungen zu diesen und einer kurzen Auflistung verschiedener Barf-Methoden, bevor die Autorin zur eigentlichen Thematik dieses Buches übergeht. Diese beinhaltet generelle Grundlagen wie auch einige Berechnungen. Außerdem gibt es u. a. Antworten auf häufig gestellte Fragen sowie Tipps zur Umstellung von anderem Futter auf Barf.


Wie anscheinend ebenfalls in dem Verlag üblich, gibt es Infokästen zusätzlich zum eigentlichen Text. Leider unterbrechen auch in diesem Buch diese Kästen bisweilen den Fließtext, was erneut den Lesefluss stört, selbst wenn dies auf manchen Seiten nicht einmal nötig wäre (z. B. S. 19/20).


Außerdem ist die Schrift recht klein, v. a., weil es sich um eine serifenlose Schriftart handelt. Am meisten fällt dies bei den Tabellen mit den Rezepten auf.


Hinsichtlich des Sprachstils ist das Buch gut verständlich geschrieben, Fachbegriffe werden erklärt und sind somit auch für Einsteigende gut nachvollziehbar.


Da das Buch erst 2022 erschienen ist, erwarte ich eine genderneutrale und inklusive Sprache. Diese fehlt hier leider gänzlich. Das bedeutet nicht, dass beständig Asterisk (*) oder Gender-Gap (_) verwendet werden sollten. Idealerweise sollten eher neutrale Wörter oder Partizipformen genutzt werden, und nur, wenn diese nicht zur Verfügung stehen, ein Ausweichen auf Sonderzeichen stattfinden. Die konsequente Verwendung des generischen Maskulinums ist einfach nicht mehr zeitgemäß und hat mir ein weiteres Mal das Lesen erschwert.

Inhalt

Laut Klappentext richtet sich dieses Buch nicht explizit an Einsteigende, allerdings lässt die Erwähnung der Vermittlung von Grundkenntnissen darauf schließen.


Vor allem die Auflistung der notwendigen Nährstoffe und die kurzen Erläuterungen zu Fehlversorgungen sind gut aufgebaut. Die Informationen sind an dieser Stelle kurz und knackig zusammengefasst, decken aber ab, was wichtig ist.


Davon abgesehen finden sich im Buch allerdings viele Widersprüche, einige Aussagen, die einfach nicht stimmen, für Verwirrung sorgen oder zwar nicht ganz falsch, aber auch nicht völlig korrekt sind. Außerdem fehlt es oft an Differenzierung.


Auf S. 54 wird im Abschnitt zur Unterscheidung zwischen Allergie und Unverträglichkeit die Laktoseintoleranz angeführt. Es ist völlig korrekt, dass sie gar nicht so selten bei Katzen auftritt. Mir stellt sich dann allerdings die Frage, wieso Milchprodukte als natürliche Quellen für viele der Nährstoffe aufgeführt werden (S. 42 – 49). Selbst, wenn das Buch natürliche Quellen bevorzugt – das ist bei dem behandelten Prinzip auch üblich –, ergibt es doch keinen Sinn, Nährstoffquellen anzuführen, auf die viele Katzen ohnehin mit Intoleranz reagieren, wie dann zusätzlich im Buch aufgeführt wird.


Unter der Abbildung auf S. 58 steht „eine Küchenwaage und ein scharfes Messer sind unerlässlich für eine BARF-Küche“. Auf der Abbildung selbst findet sich jedoch eine Feinwaage. Die tatsächliche Küchenwaage fehlt allerdings. In der Tat ist aber für die Herangehensweise nach dem im Buch vorrangig besprochenen Prinzip beides notwendig, wie es auf S. 57 auch aufgelistet ist (eine Löffelwaage ist dagegen keine Option, da diese viel zu ungenau ist).


Fraglich finde ich darüber hinaus die Ausführung auf S. 62: „Bedauerlicherweise stoßen wir immer wieder auf schlagkräftige Vorurteile gegenüber der biologisch artgerechten Rohfütterung – so werden ihr zum Teil gravierende Abweichungen von den errechneten Bedarfswerten angekreidet.“

Einerseits gehört das umgangssprachlich bezeichnete „Suppi-Barf“, das mit diesen Bedarfswerten arbeitet, ebenfalls zur biologisch artgerechten Rohfütterung, also zum Barfen.

Andererseits äußert sich die Autorin immer wieder subtil abwertend gegen diese eine Herangehensweise, z. B. nur einige Zeilen zuvor, als sie ein Institut, in dem Bedarfswerte erforscht worden sind, anführt und sagt, dass darauf die Berechnungen basieren. Tatsächlich gibt es aber mehrere solcher Institute und daher eine ganze Spanne an Bedarfswerten anstatt je einem fixen Bedarfswert je Nährstoff. An diesem Punkt wirft die Autorin die Frage auf, wo denn nun der genaue Bedarf liegen würde und übergeht damit vollkommen, dass es diesen eben nicht gibt und genau das im Suppi-Barf auch immer kommuniziert wird. Würde dieses Buch das Expertenwissen, das auf dem Cover angepriesen wird, bieten, stünde an dieser Stelle auch, dass es nötig ist, dass der Bedarf innerhalb dieser Spannen gedeckt wird.


Auf S. 80 führt die Autorin an, dass Fisch „in relativ geringen Mengen“ eingesetzt wird. In ihrem beispielhaften Pauschal-Rezept für Suppi-Barf (S. 64) listet sie allerdings 100 g Lachs auf, was nicht wenig ist.

Davon abgesehen sagt sie auf S. 80 ebenfalls, dass Fisch „einen Platz im Speiseplan der Katze finden“ sollte. In der Grundrezeptur nach dem von ihr bezeichneten Beutetierprinzip (S. 69/70) findet sich dann allerdings gar kein Fisch. Dieser taucht erst später wieder in den weiteren Rezepten (S. 102 – 103) auf, die sie anführt, wenn auch längst nicht in allen.

Nun ist es richtig, dass Fisch nicht zwingend in jeder Mahlzeit enthalten sein muss, da er vorrangig das fettlösliche Vitamin D liefern soll, das in der Leber gespeichert wird. Allerdings birgt eine solche Auflistung von Rezepten, wie sie im Buch zu finden ist, das Risiko, dass Besitzer*innen sich nur einen Teil davon nehmen – z. B. weil die anderen möglicherweise durch einen Teil der Futterkomponenten nicht für sie funktionieren – und dadurch kaum Fisch verfüttert wird.


Und wo ich schon bei dem Punkt bin, dass die Rezepte später von der Grundrezeptur abweichen, das gilt nicht nur für Fisch. In der Grundrezeptur (S. 69/70) wird Jod in Form von entweder 0,1 – 0,15 % oder 1,5 g Seealgenmehl aufgeführt (das ist schon an sich nicht einheitlich). Bei den weiteren Rezepten sind es dann meist 1 – 1,5 g. Bei einer Rezeptur jedoch (S. 99), in der Fisch und Milchprodukte verwendet werden (letztere sollen laut dem Buch sogar 5 % Fleisch ersetzen können, ich verweise auf meine Anmerkung oben zum Thema Laktoseintoleranz), stehen dann sogar 2,8 – 4,2 g Seealgenmehl.


Beim Thema Blut – als ein Nahrungsbestandteil nach dem Beutetierprinzip – steht im Buch auf S. 90: „Versuche, den Mineralstoffgehalt von Blut durch die Zugabe von Salz (vor allem Meersalz und Himalaya-Salz) zu decken, scheitern tatsächlich in der Umsetzung. Salz liefert zwar neben Natrium und Chlorid noch weitere Mineralstoffe, jedoch in einer deutlich geringeren Konzentration als Blut.“ Das ist korrekt. Was ich nicht verstehe und völlig widersprüchlich zu dieser Aussage ist, ist, dass dann auf S. 70 oberhalb der Auflistung der Grundrezeptur für das Beutetierprinzip Folgendes steht: „50 ml Blut (= 5 % der Gesamtfuttermenge), alternativ 2 g Salz.“ Vor allem Eisen wird damit ganz eindeutig unterversorgt.


Ebenfalls werden auf S. 98, als die Autorin beginnt, die Grundrezeptur immer wieder auf unterschiedliche Zutaten anzupassen, aus 25 g Niere und 25 g Milz pro Kilogramm Futter, 80 g Niere und 70 g Milz für rund 2.800 g Futter, das für zwei Wochen angedacht ist.

Allein in dieser Ausführung stecken unzählige Widersprüche und eine unlogische Herangehensweise.

Zum einen müsste der Anteil an Niere und Milz gleich groß sein, wie die Grundrezeptur es ausweist. Über der Auflistung steht allerdings auch „mit sinnvoll gerundeten Werten“. Runden ist üblich, aber das bedeutet beispielsweise, dass die hochgerechneten je 25 g Niere und Milz 78 g in der größeren Futtermenge ergeben, dass diese dann auf 80 g gerundet werden und zwar beide. Aber sie unterschiedlich zu runden, geht daraus nicht hervor und macht auf mich im Hinblick auf Einsteigende auch nicht gerade einen hilfreichen Eindruck.

Zum anderen ist die Berechnung auf zwei Wochen Futtermenge absoluter Unsinn. Katzen sollten immer so viel fressen dürfen, bis sie satt sind, egal, wie alt sie sind. Wie viel das ist, kann sehr individuell sein. Deswegen bauen die Gerüste, wie es das Grundrezept ist, auch immer auf die Menge von 1 kg. Wird dann mit einer Menge von 3 kg gearbeitet, werden auch alle anderen Werte verdreifacht. Das fertig gemischte Futter wird in angemessenen Mengen abgepackt (das variiert je nach Portionsgrößen und Anzahl der Katzen im Haushalt, wie auch danach, wie viel diese fressen) und reicht mehr oder weniger lange. Aber die Berechnung auf Basis von täglichen Werten, die eine Katze aufgrund ihres Gewichts zu fressen bekommen sollte, ist nicht empfehlenswert, eben weil diese Mengen erheblich schwanken können. Außerdem verkompliziert dies alles. Es wäre einfacher gewesen, anstatt auf einen Bedarf für zwei Wochen hochzurechnen und dadurch mit der Zahl von 2.800 g zu arbeiten, einfach glatte 3.000 g zu nutzen. Das ist rechnerisch einfacher, außerdem ist gerade Fleisch in Barf-Shops oft in Abpackungen von 500 oder 1.000 g erhältlich.


Damit, immer auf Basis der Grundrezeptur zu berechnen, sind die zusätzlichen Rezepte (S. 101 – 103) absolut überflüssig.


Völlig unerklärlich ist die Differenzierung der verschiedenen Barfprinzipien, die die Autorin auf S. 59 aufführt. Demnach gibt es angeblich fünf verschiedene Prinzipien: „Whole Prey, BARF mit Supplementen, Frankenprey, Frankenprey Plus und Beutetierprinzip“.

Whole Prey stellt die Verfütterung ganzer Beutetiere dar und ist tatsächlich eine Art für sich. Generell fällt es unter das sogenannte "Prey-Barf", aber ist dort eine gesonderte Form. Ebenso hat das "Barf mit natürlichen Supplementen", so die Bezeichnung für das umgangssprachlich bezeichnete Suppi-Barf und wovon die Autorin spricht, wenn sie „BARF mit Supplementen“ schreibt, eine eigene Herangehensweise und ist damit ein eigenes Prinzip.

Danach gibt es noch alles Weitere, das unter Prey-Barf fällt und immer sehr ähnlich ist. „Prey“ bedeutet „Beute“ und das sagt genau alles über dieses Prinzip aus: Es geht um das Beutetierprinzip. Das heißt, auch Frankenprey und Frankenprey Plus zählen dazu, ebenso weitere Modelle, wie z. B. Prey Model Raw, das hier gar keine Erwähnung findet.

Die Autorin führt also drei Modelle, die alle nach demselben Prinzip funktionieren, als gesonderte Prinzipien an. Das ist ganz einfach falsch und vor allem höchst verwirrend für Einsteigende.


Was ebenso verwirrend ist, ist die Bezeichnung „BARF mit Supplementen“. Das erzeugt nämlich den Eindruck, dass die anderen Methoden ohne Supplemente auskommen. Das gilt aber eigentlich nur für Whole Prey, denn ganze Beutetiere benötigen keine zusätzlichen Nährstoffe (sind die Futtertiere beispielsweise ausgeblutet, entsprechen sie nicht mehr dem Whole Prey, denn whole bedeutet ganz, bzw. in diesem Zusammenhang vollständig).

Es ist korrekt, dass ansonsten die Bezeichnung "Barf mit natürlichen Supplementen" für das Suppi-Barf verwendet wird, wobei das tatsächlich seltener vorkommt, gängig ist tatsächlich Suppi-Barf. Die lange Bezeichnung ist auch dort nicht völlig korrekt, denn es können Supplemente natürlichen Ursprungs verwendet werden, aber ebenfalls auch andere. Nichtsdestotrotz erzeugt die von der Autorin verwendete verkürzte Bezeichnung für das Suppi-Barf einen falschen Eindruck.

Auf S. 88 sagt die Autorin: „Manche BARF-Konzepte fassen unter dem Begriff „Supplement“ alle Futterkomponenten zusammen, die über das Muskelfleisch hinausgehen – entsprechend wären auch Innereien, Knochen und sämtliche Nahrungsergänzungsmittel als „Supplement“ zu verstehen.“ Die daraus entstehende Differenzierung, was als Supplement gilt und was nicht, ist gerade für Einsteigende verwirrend. Im Suppi-Barf gelten Blut, Leber und Fisch immer als Supplement. Und nur, damit im Prey-Barf behauptet werden kann, dass es dort möglich ist, ohne Supplemente zu barfen, wird diesen Futterbestandteilen dort gern die Bezeichnung entfernt. Dabei ergänzen sie all die fehlenden Nährwerte im Fleisch zu vollwertigem Futter.


In dem Abschnitt, in dem die Autorin die verschiedenen Modelle kurz vorstellt, führt sie auf S. 64 ein „Pauschal-Rezept Supplement-BARF“ auf. Dieses entspricht teilweise absolut nicht dieser Herangehensweise.

Ganz auffällig ist dabei, dass entweder Knochenmehl oder Eierschale ins Futter kommen soll. Das ist definitiv nicht korrekt. In den meisten Fällen werden beide kombiniert, um einerseits den Nährstoffbedarf zu decken (und darum geht es bei dieser Methode) und andererseits auch auf das Verhältnis von Calcium zu Phosphat zu achten, das für alle Methoden gelten sollte. Ich habe das dort hinterlegte Pauschal-Rezept auch mit meinem Tool berechnet und dabei nicht nur auf die prozentuale Deckung geachtet (diese hängt nämlich von den zugrunde gelegten Bedarfswerten ab und diese können variieren, solange sie innerhalb der Bedarfswertspannen liegen, sind sie in Ordnung), sondern auch die in der Berechnung erreichten Nährwerte. Auch letztere hängen mit den Bedarfswerten zusammen, geben aber eine genauere Auskunft darüber, ob die Werte innerhalb der Spannen liegen oder nicht.

Diesbezüglich kann ich für adulte Katzen sagen, dass bei der Verwendung der angegebenen Menge Knochenmehl das Ca/P-Verhältnis bei 0,62 liegt, im Zusammenhang mit Eierschale liegt es bei 1,38 (laut Autorin auf S. 42 sollte das Ca/P-Verhältnis "bei der gesunden Katze 1,1 bis 1,3 : 1 betragen"). Vitamin D wird mit der Verwendung der hohen Menge Fisch mit 20,89 IE in beiden Varianten massiv überversorgt (Bedarf 4 – 10 IE). Jod wird mit 26,27 bzw. 26,20 myg nicht überversorgt (Bedarf 15 – 34 myg), allerdings ist die Ansicht, Jod eher gering zu decken, nicht nur im Barf verbreitet, auch beim Nassfutter achten zumindest immer mehr Besitzer*innen, die sich in Katzenforen bewegen, darauf, dass der Jodgehalt im Futter nicht so hoch liegt, da die Möglichkeit besteht, dass ein höherer Gehalt die Ausbildung einer Schilddrüsenüberfunktion begünstigt. Deswegen ist Jod in diesen Rezepten nach meinem Tool auch überversorgt, für die Bedarfsspanne gilt dies aber noch nicht.

Um nicht mit weiteren Zahlen zu erschlagen, lasse ich dies stellvertretend stehen.


Auch beim Frankenprey (FP) und Frankenprey Plus (FP+) (S. 67) gibt es Ungereimtheiten, die nicht den Prinzipien entsprechen.

Beispielsweise werden bei den Innereien neben 5 % Leber (die im Buch auch nie explizit in Prozent aufgelistet ist, selbst wenn das im FP/FP+ absolut üblich ist) nur 2,5 % Niere und 2,5 % Milz genannt. Das ist aber zu einseitig, da all die Modelle des Prey-Barfs von viel Abwechslung leben. Korrekt ist es eigentlich: 5 % Leber, 2,5 % Niere, 2,5 % wechselnde Innereien. Diese sind Bestandteil der 100 % Gesamtfuttermenge, ebenso wie der Knochenanteil. Das zu erwähnen, ist wichtig, da die 50 ml Blut pro kg Futter auf diese Menge draufkommen, das wird als "on top" bezeichnet, und nicht in diese 100 % hineingehören.

Desgleichen sind beim FP+ Eierschalen nicht optional aufgeführt, ebenso kein Seealgenmehl. Beides sind Optionen, die unter FP+ Verwendung finden können.


Als es dann um das durch die Autorin bezeichnete Beutetierprinzip geht (S. 69 f.) werden 10 ml Lachsöl angeführt. Das ist falsch. Die Autorin erwähnt auf S. 88 auch, dass das Verhältnis der Fettsäuren n3 zu n6 bei 1:2,2 liegen sollte. Tatsächlich sind es aber 1:5 – 10. Daraus resultiert, dass die Menge Lachsöl zu hoch ist (darüber wird n3 ins Futter gebracht). Zu wenig davon ist entzündungsfördernd, zu viel aber ebenfalls. Sie begründet diese Werte auf S. 89 damit, dass u. a. Swanie Simon "1 ml stabilisiertes Lachsöl pro 100 g Futtermenge" empfiehlt. Allerdings ist Swanie Simon Expertin für Hunde, nicht für Katzen. Katzen sind aber keine kleinen Hunde.

Ebenso führt dieses Rezept auf S. 70 ein Eigelb in den Zutaten an. Warum, das wird nie wirklich erklärt, denn eigentlich ist es unnötig.


Des Weiteren verwirrt auch die Tabelle auf S. 70:

Links in der Grundrezeptur steht ein maximaler pflanzlicher Anteil von 5 %, das sind die Ballaststoffe. Rechts in der Auflistung mit Innereien stehen dann aber max. 50 g Gemüse und weiter unten 5 g gemahlene Flohsamenschalen.

Das ist dann einerseits mehr und die Differenzierung mittels „entweder oder“ fehlt (die beiden Positionen stehen nicht einmal nahe beieinander). Andererseits ist dort nicht angegeben, dass das die trockene Menge Flohsamenschalen sein müsste und diese eingeweicht werden müssen, um aufzuquellen. Das wird ein Mal weiter hinten im Buch im Fließtext erwähnt, anstatt an der für die Umsetzung relevanten Stelle. Sinnvoller wäre hier gewesen, eine Angabe von 50 g gequollenen Flohsamenschalen zu machen. Sollte mit der Angabe von 5 g gemahlenen Flohsamenschalen bereits die gequollene Menge gemeint sein, dann wird es gelinde gesagt albern. Immerhin ist hier die Rede von einer Zugabe zu 1.000 g Futter.

Warum sich in der Grundrezeptur nur der pflanzliche Anteil findet, in der Spalte daneben aber plötzlich zwei verschiedene Ballaststoffe an unterschiedlichen Stellen, weiß ich nicht. Dies erschwert es Einsteigenden einfach nur, überhaupt den Überblick zu behalten.


Es gibt darüber hinaus eine Menge kleinerer Fehler, die im Buch auftauchen. Ich werde stellvertretend ein paar auflisten.


Auf S. 83 steht unten im Info-Kasten, dass RFK (rohe fleischige Knochen) „50 % Muskelfleisch und 50 % blanke Knochenmasse“ liefern. Das stimmt nur bedingt. Hühnerhälse bedienen dieses Verhältnis in den meisten Fällen nicht.

Zusätzlich sagt die Autorin dann auf der nächsten Seite: „Bedauerlicherweise liegen uns noch zu wenige Nährstoffanalysen zu den einzelnen Knochenstrukturen vor.“ Wie sie dann überhaupt auf den Calcium- und Phosphatgehalt vertrauen kann, dass sie mit solcher Sicherheit sagt, dass RFK 50 % Muskelfleisch und 50 % blanker Knochen sind, erklärt sich mir nicht.


Sehr überraschend fand ich auf S. 41 die Abbildung dazu, wie sich die Nährstoffe gegenseitig beeinflussen. Das Gute daran ist, es wird deutlich, wie sehr ausgeprägt der gegenseitige Einfluss ist. Allerdings fehlt ein sehr wichtiges Wechselspiel vollkommen: Das von Calcium und Phosphat ist überhaupt nicht vermerkt. Gerade das Ca/P-Verhältnis, das daraus als Wert resultiert, ist absolut essentiell beim Barfen. Ist es zu niedrig, ist das Risiko hoch, langfristig die Nieren der Katze zu stark zu belasten. Ist es zu hoch, kann es aber langfristig zu einer zu geringen Versorgung mit Phosphat kommen, da Calcium antagonistisch zu Phosphat wirkt.


Auf S. 96 spricht die Autorin im Info-Kasten Leber- und Nierenerkrankungen an und erwähnt eine möglicherweise notwendige Proteinreduktion.

Zumindest bei Nierenerkrankungen ist diese nicht korrekt. Zumal die Autorin sich damit auch erneut selbst widerspricht, denn auf S. 35 erklärt sie noch, warum Proteinüberschuss wie auch -mangel schädlich sind.

Das Richtige bei Nierenerkrankungen ist eine Phosphatreduktion. Protein liefert einiges an Phosphat und spätestens dann sollte gelten, nicht mehr Protein als nötig zu verfüttern, dennoch ist und bleibt die tatsächliche Stellschraube nicht Protein, sondern Phosphat. Das bedeutet, dass beim Prey-Barf in erster Linie nicht am Protein gedreht wird, sondern an den Knochen, die ebenfalls einiges an Phosphat liefern (und deswegen auch kein Calciumsupplement sind, wie die Autorin beispielsweise auf S. 87 anführt, sie sind ein Ca/P-Supplement). Um dabei trotzdem nicht das Ca/P-Verhältnis zu vernachlässigen, muss dann manuell und abweichend von den üblichen prozentualen Werten gerechnet werden. Die Alternative hierbei ist das Ausweichen auf das Suppi-Barf (und dort weiterhin vorrangig Supplemente natürlichen Ursprungs zu verwenden). Aufgrund der belasteten Nieren ist der Blick auf die Bedarfswerte wichtig, weil genau das für die gezielte Phosphatreduktion sorgt. Wer das nicht möchte, kann auch beim Prey-Barf bleiben, sollte dann aber im Auge behalten, wie viel Calcium und Phosphat das Futter insgesamt enthält und beide Nährstoffe auf gezielte Bedarfe lenken (beide Nährstoffe, da nicht nur der absolute Nährstoffgehalt für Phosphat eine Rolle spielt, sondern das Ca/P-Verhältnis ebenfalls unbedingt berücksichtigt werden muss). Aber eine Proteinreduktion ist nicht angeraten. Wird diese zu stark betrieben, kann es zu dem Effekt führen, den die Autorin im Zusammenhang mit Proteinmangel anführt: Muskelschwund.


Für die Verarbeitung sollten die Futterkomponenten übrigens nach Möglichkeit nicht – wie auf S. 106 geschrieben – auf-, sondern nur angetaut werden. Nur das fertige Futter, das in den Napf kommt, wird komplett aufgetaut, der Rest nur soweit angetaut, wie es zur Verarbeitung nötig ist.


Die auf der nächsten Seite erwähnten Einmalhandschuhe machen übrigens in ihrer Verwendung immer Sinn. Die wenigsten Menschen waschen sich die Hände so gründlich, dass die dort sitzenden Keime ausreichend entfernt sind. Es geht bei der Verwendung der Handschuhe also nicht darum, die Hände vor der Kontamination mit Keimen, die auf dem Fleisch sitzen, zu schützen, sondern umgekehrt, nicht noch zusätzliche Keime von den Händen ins Futter zu bringen.


Das allseits beliebte pauschale Abraten von der Verfütterung von Hausschwein darf natürlich auch nicht fehlen und selbstverständlich wird dies auf S. 79 mit dem Aujeszky-Virus begründet. Das ist nicht neu und immer noch nicht vollkommen richtig, da die Gefahr einer Infektion mit dem Virus in Deutschland sehr gering ist. Es ist nicht falsch, darauf hinzuweisen, dass Wildschwein unter keinen Umständen roh verfüttert werden darf und dass es bei Hausschwein wichtig ist, darauf zu achten, dass die Tiere nie die Möglichkeit gehabt haben, mit Wildschweinen oder deren Hinterlassenschaften in Kontakt zu kommen. Stattdessen wird – wie so oft – nur pauschal abgeraten.

Anders als sonst wird dem noch eins aufgesetzt, indem die Autorin zusätzlich Trichinen anspricht. Auch diese sind in Deutschland (und vermutlich ebenso in Österreich und der Schweiz) unproblematisch, weil auch das Fleisch fürs Barfen einer Fleischbeschau unterzogen wird (immerhin stammt das Fleisch in Barf-Shops in der Regel von denselben Tieren, deren „schöne“ Teile für den Menschen im Supermarkt liegen).


Bei den aufgeführten pflanzlichen Bestandteilen (Ballaststoffe) in Form von Gemüse und Obst (S. 71 – 73) wird nicht ausreichend differenziert. Beim Gemüse wird nicht erwähnt, welche Sorten gekocht werden sollten, hinsichtlich Blattsalaten ist nur von verschiedenen die Rede, aber nicht von welchen. Ebenso wird nicht darauf eingegangen, dass beispielsweise bei Tomaten die grünen Stellen entfernt werden müssen.

Die Auswahl an Obst, die gelistet wird, ist sehr umfangreich. Und es fehlt der Hinweis, dass unabhängig davon, dass viele Katzen Obst gar nicht akzeptieren, dieses dennoch nur selten Verwendung finden sollte, da Obst Fruchtzucker enthält und diese durchaus beim Verdauungsprozess vom Körper aufgenommen werden.


Eine natürliche Wurmprävention durch bestimmte Kräuter und Nüsse, wie auf S. 72 erwähnt, anzustreben, hat auch nicht wirklich etwas mit natürlicher Ernährung zu tun. Zumal die Verwendung von Kokosflocken mit Vorsicht zu genießen ist und der angeführte Rosmarin überhaupt nicht an Katzen verfüttert werden sollte, da dieser aufgrund einer leberschädigenden Wirkung kritisch zu betrachten ist. Dies kann auch für andere Kräuter gelten, weswegen die Verwendung solcher bei Katzen immer mit großer Vorsicht behandelt werden sollte.


Es gibt eine Menge weiterer solcher Punkte, die ich ansprechen könnte, aber ich befürchte, dann wird die Rezension noch weit länger und glaube, die angesprochenen kritischen Punkte geben einen klaren Eindruck.

Fazit

Bis auf die Ausführungen zu den einzelnen Nährstoffen, wofür sie wichtig sind und wozu Über- und Unterversorgung führen können, kann ich dieses Buch nicht für Besitzer*innen empfehlen, die sich mit der Thematik nicht schon auskennen.

Es werden Barf-Prinzipien differenziert, die zusammengehören, dafür fehlt es massiv an Differenzierung an unzähligen anderen Stellen und zusätzlich finden sich im Buch sehr viele Widersprüche.


Abgesehen davon, dass ich mir wünschte, dass gerade neu erscheinende Barf-Bücher endlich einmal auch empfehlenswert wären, weil sie dem aktuellen Stand entsprechen, fehlt es auch in diesem, dass andere Methoden – wenn auch nur subtil – nicht negativ oder kompliziert oder unnatürlich oder alles in einem dargestellt werden, selbst wenn der Fokus auf einer anderen liegt. Das geschieht hier nicht.

Der Aussage, ein praktischer und kompetenter Ratgeber zu sein, wie es im Klappentext behauptet wird, wird dieses Buch nicht gerecht. Die Thematik wird nicht in einer Weise behandelt, die für Einsteigende leicht und gut verständlich sowie umsetzbar ist.


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Über den Autor

Geschlecht: nichtbinär (grob: weder weiblich noch männlich)


Pronomen: they/them


Anwendungsbeispiele:(in Klammern stehen evtl. Anmerkungen und ansonsten die vertrauten binären Formen)

They hatte eine Katze. (sie/er)

Die Tasche gehört them. (ihr/ihm)

Das ist their Stift/Jacke. (ihr/sein – ihre/seine)

Der Stift/die Jacke ist theirs. (ihrer/seiner – ihre/seine – ihres/seines)

Es ist whose Auto. (deren/dessen)

Das ist Kuro, who die Katze hatte, von der ich dir erzählt habe. (who = Relativpronomen, binär: die/der)

Kuro ist Mitglied in diesem Forum. (anstatt User*in, Nutzer*in etc.)

Das ist Kuro, ein*e Freund*in von mir.

Das ist Kuro, eine befreundete Person/ein befreundeter Mensch.

Kaishiki 信じれない

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