Allergie auf synthetisches Taurin

  • Hallo liebe Alle,

    eine meiner Katzen hat eine Allergie auf synthetisches Taurin. Da ich unteranderem lange nach mehr oder weniger nützlichen Infos suchen musst, hoffe ich mit diesem Beitrag anderen ein wenig helfen zu können.

    Vorher sollte aber noch gesagt werden, dass ich erst seit ca 10 Monaten barfe (4 Katzen) und demnach eigentlich noch Anfänger bin. :S Durch Belles Allergie war ich allerdings gezwungen mich speziell mit Taurin zu befassen und da es (zum Glück) nur sehr selten ist gibt es nur wenige Infos, sodass wir eigene Lösungen finden mussten.


    Belle: 

    Sie ist wahrscheinlich 2 Jahre alt und hatte einen nicht so schönen Start ins Leben. (Mehr dazu findet sich in meinen zwei vorherigen Beiträgen.) Sie lebt seit März diesen Jahres bei mir zu Hause. Vorher hat sie bei mir am Stall gewohnt und dort neben Mäusen Dose gefressen. Da sie aber wild war, konnte ich sie dort nicht anfassen und die Symptome als Reaktion auf die Dose erst zu Hause feststellen.


    Symptome: 

    -ca 1 Stunde nach der Aufnahme bemerkbare Bauchschmerzen, Juckreiz und hektisches Lecken

    -nach ca 12 Stunden wunde Stellen über den Augen und wunde Ohren, Krustenbildung, geschwollene Lippen und Augenlieder

    -bei einmaliger Gabe verschwinden die Bauchschmerzen nach 2 Tagen, die Schwellungen und der akute Juckreiz nach ca. 4 Tagen und die Krusten nach eineinhalb Wochen


    Belles Allergie:

    -synthetisches Taurin (enthalten in jeglichem Katzenfutter und in komplett Supplementen)

    -jegliche Zusatzstoffe in z.B normalem Salz (hierbei Symptome geringer als bei synthetischem Taurin)



    Taurin allgemein:

    Zu dem Nutzen von Taurin gibt es hier im Forum und auch auf anderen Seiten viele gute Infos, daher gehe ich darauf nicht weiter ein. Grundsätzlich ist aber zu sagen, dass Taurin absolut überlebenswichtig ist, ein Mangel schlimme Folgen hat und es neben der selbstgefangenen !wilden! Maus als idealste Alternative (meiner Meinung nach) nur die Fütterung von synthetischem Taurin gibt. Solange keine Allergie vorliegt würde ich immer synthetisches Taurin füttern.

    Zum Taurinbedarf der Katze gibt es unterschiedliche Aussagen bzw. Werte, zwischen 30 mg pro kg Katze bis 120 mg pro kg Katze. Überschüssiges Taurin (innerhalb normaler Werte) wird vom Körper ausgeschieden. Ich rechne mit einem Mindestbedarf von 60mg.


    Kompromisse für den bestmöglichen Mausnachbau:

    Nachdem wir den Allergie Auslöser gefunden hatte und ich ungefähre Bedarfswerte hatte, fing die Suche nach möglichen Alternativen an. Hier einmal meine Ideen:


    1. wilde Mäuse: 

    -beste Taurinversorgung

    - Auch wenn es unrealistisch erscheint habe ich kurzzeitig diese Möglichkeit in meiner Verzweiflung in Betracht gezogen. Mein Stallkater beschenkt mich regelmäßig mit Mäusen und ich habe selber über eine Möglichkeit der Mäusejagt nachgedacht :lach:. Es es natürlich realistisch betrachtet nicht umsetzbar.


    2. eigene Mäusezucht:

    -Ich hatte einige Zeit arbeitstechnisch mit Futtermäusen (Frost und Lebend für Reptilien im Zoo) zu tun und weis wie diese Tiere aufwachsen, ernährt und vermehrt werden. Daher scheiden Futtermäuse für mich als komplette Ernährung aus.

    -Daher dann die Idee der eigenen Mäusezucht. Ich könnte gesunde Mäuse verfüttern und wüsste zudem dass sie vorher ein schönes Leben hatten. Diese Idee habe ich nach weiterer Planung allerdings wegen dem rechtlichen Aspekt, den Kosten, dem Platzbedarf und der fehlenden Zeit verworfen. Nebenbei ist natürlich auch der eigene emotionale Aspekt zu beachten. Man zieht diese Unmengen an Tieren groß, muss extrem gut Planen und letztendlich die Tiere abtöten können. Selbst bei nachweislicher Sachkunde über das Abtöten greift hier das Tierschutzgesetz, welches nur in Ausnahmefällen eine Lebendfütterung bzw. ein eigenes Abtöten erlaubt. (Katzen spielen mit der Beute und Quälen diese damit!) Diese Ausnahme betrifft Reptilien, Wildtiere in Zoos etc. welche nur lebendige Tiere fressen. Katzen gehören aus (meiner Meinung nach) gutem Grund nicht dazu.


    —> Es müssen Kompromisse gefunden werden, da eine ideale Maus nicht möglich ist. 


    3. Fütterung von Gehirn

    Im Gehirn, dem Rückenmark und weiterem ist viel Taurin enthalten. Durch Kontakte zu Bauern würde ich auch an schlachtfrische Hirne kommen, allerdings habe ich trotz langer Suche keine Taurin-Werte der Hirne finden könne. Dadurch konnte ich es nicht berechnen.


    4. Putenbeinfleisch, Herz, Muscheln, Krabben


    Taurin ist für den Menschen nicht so bedeutsam wie für die Katzen, daher ist auch der Bedarf an exakten Taurinwerten in verschiedenen Fleischsorten für die Ernährungswissenschaften sehr gering. Zudem wird hier auch synthetisches Taurin verwendet. Überall da wo kein großer Markt hinter steht, ist ausführliche Forschung unbedeutend. Da auch nur wenige Katzen auf das synthetische Taurin reagieren, ist auch hier kein großer ökonomischer Wert.

    Die Werte der oben genannten Fleischsorten sind also nicht zu 100% richtig und bedarf ausführliche Recherche + die Kompromissbereitschaft.


    Putenbeinfleisch enthält verhältnismäßig viel Taurin, ist beschaffbar und bezahlbar. Ich rechne mit ca. 306 mg/ kg.


    Herz wird von einigen Barffraktionen zur Taurinsupplementierung genutzt. Dies ist aber meiner Meinung nach nicht möglich, da eine zu große Herzgabe zu Durchfall etc. führen kann. Zudem liegt der Tauringehalt von z.B. Rinderherz nur bei ca. 62,5 mg/ kg. Belle bekommt 15-20% Herz in ihren Portionen, also mehr als meine anderen drei. Der Tauringehalt wird darüber jedoch nur zu einem eher kleineren Teil gedeckt.


    Muschel, Krabben haben höhere Mengen an Taurin. Da ich jedoch noch keine Zeit hatte die anderen Nährstoffe zu berechnen und maximal Mengen zu bestimmen (so wie auch Fisch kein Fleisch ersetzt) habe ich diese noch nicht gefüttert. Aufgrund des Geruchs gehe ich auch bei Belle davon aus es sehr langsam einschleichen zu müssen.


    Fazit: unsere aktuelle Fütterung

    Ich decke derzeit den Taurinbedarf über Putenbeinfleisch und etwas Herz ab. Beispiel: bei 3,5 kg hat Belle einen Mindestbedarf von ca. 210 mg auf die 130gr Fleisch welche sie frisst. Davon bestehen 50% aus Putenbeinfleisch was wiederum 198 mg Taurin bringt. 50% Rind bringen weitere 34,5 mg und damit liegen wir überm Mindestbedarf.


    Ich habe also einen sehr großen Anteil an Putenbeinfleisch, was Abwechslungsmäßig ein Kompromiss darstellt und nicht ideal ist. Die anderen ca 50% bestehen aus Lamm, Hirsch, Reh, Rind, Kaninchen, Ente und Huhn. Neben der Supplementierung mit dem Kalki gibt es auch Mischungen mit Easy Barf (kein Taurin, Ca/Ph muss berechnet werden).


    Aus ökologischen Gründen möchte ich allgemein die Menge an Lamm, Wild und Biofleisch (bzw. von Fleisch aus möglichst artgerechter Haltung) erhöhen soweit es mein Kontostand eben zulässt. Dies ist auch für den Tauringehalt entscheidend, da ein glückliches Huhn mehr läuft und dann auch mehr Taurin in der Muskulatur produziert wird. Bei Putenfleisch ist auch der Faktor des Antibiotikagehaltes im Fleisch der Massentiere zu beachten.


    Schlachtfrisches (noch warmes) Fleisch enthält am meisten Taurin, welches dann kontinuierlich abgebaut wird. Direktes Einfrieren stoppt höchstwahrscheinlich diesen Prozess.



    Wir sind mittlerweile seit fast 2 Monaten bei dieser Lösung und ihr geht es sehr gut. Allerdings darf sie nicht die leeren Teller der anderen ablecken (einfaches Abspülen mit Wasser reicht nicht), bei der Zubereitung wird ihres als erstes gemacht und es darf kein Tröpfchen in ihr Futter gelangen. Damit es einfacher ist hat sie eigene Schüsseln und Löffel. In ein paar Monaten werde ich zudem ein Blutbild machen lassen um darüber einen Überblick zu bekommen.


    Für Fragen, Verbesserungen, Tipps und Kritik bin ich natürlich offen und hoffe vielleicht jemandem in ähnlicher Situation etwas geholfen zu haben. :)


    Liebe Grüße,

    Jule mit Belle, Zora, Floki, Merlin und Simba

  • Wow,

    diese Allergie ist doof.


    Ich finde dein Vorgehen aber sehr zielgerichtet.

    Das nicht viel Hilfe aus der Medizin kommt ist klar, wenn es ein so seltenes Phänomen ist.


    Wenn du eine oder zwei konkrete Quellen für frisches Hirn hast wäre es vielleicht doch mal eine Möglichkeit bei einem Labor anzufragen, ob da speziell nach Taurin gesucht werden könnte

    und was das genau kostet.


    Billig wird das nicht, ich hab aber auch so gar keine Hausnummer im Kopf.


    Der Gedanke an Mäuse(zucht) ist verständlich, jedoch sowas von illegal (zu recht wie du auch selber dazuschreibst).

    Soviel zu "fangen" daß es für jeden Tag reicht - nun selbst in einem extremen (Mäuse)Jahr wäre innerhalb kurzer Zeit über die ganz normale Steuerung von Ökosystemen der Zeitpunkt wo es unmöglich wird.


    Nur als Alleinfutter würd es halt nicht reichen und auch als Taurin-Leckerlie wäre es noch zuwenig um eine Unterversorgung gänzlich (über lange Zeit) auszuschliessen.


    Schwierig, bin mal gespannt ob da noch umsetzbare Ideen kommen.

  • Die Überlegung selber Taurinwerte zu messen hatte ich auch schon. Das werde ich nochmal genauer etwas in Angriff nehmen wenn ich etwas mehr Zeit (und Geld) habe. Jetzt gerade bin ich mitten im Umzug und nach der langen Ausschlussdiät erstmal froh ein komplettes Futter geben zu können. Ich studiere Biologie, also ergibt sich eventuell auch die Möglichkeit Labore der Uni nutzen zu können. Aber das wird noch ein wenig warten müssen.

    Wenn ich nicht schon so viele Mäuse an Schlangen und Co verfüttert hätte, hätte ich bestimmt nicht so lange darüber nachgedacht. Es ist auch etwas frustrierend wenn man sich den ganzen Tag Sorgen um die Katze zu Hause macht und dann mal wieder von seinem Stallkater eine halbtote Maus gebracht bekommt, diese erlösen muss (Katzen sind einfach grausam) und dann letztendlich die Maus der Nachbarsstallkatze bringt, weil Simba meint er wäre schon satt bzw. hätte gerne als Abendessen Dose. :ftft: ;(  :lach:

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